Laudatio zur Vernissage


 

 

 

 

Verfasser:
Heinz Antonius „Stan“ Stäuble

Vernissage-1

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Bilder von Sylviane Strasser-Figini
Kleinformatige Skulpturen von Carmen Beldi

 
Mit den beiden Mädels verbindet mich eine langjährige Bekanntschaft, deshalb wurde mir wahrscheinlich die Aufgabe übertragen, ein paar Worte zur Ausstellungseröffnung zu sagen.
 
Richtigerweise stelle ich aber einen Satz zur Galerie an den Anfang:
 
Die ALPHAarte Gallery stellt grundsätzlich zeitgenössische Kunst aus. Die Galeristin Anna Sebelka-Oetiker möchte eine breite Palette von Werken Aargauer-, Schweizer- und internationaler Künstler zeigen und deren Werke einem ebenso breiten Publikum zugänglich machen.
 
So gibt zum Beispiel heute Carmen Beldi ihr Debut mit ihren kleinformatigen Skulpturen und Objekten. Die Gegenstände oder das Rohmaterial zu ihrer Arbeit sind vielfach Fundstücke irgendwo entdeckt und aufgelesen, ein andermal aus reinem Interesse für den Gegenstand nach Hause transportiert. Bis zur weiteren  Verwendung wirkt dann das richtige Leben  auf die Künstlerin ein, und nach der Montage der Objekte und Skulpturen erspührt der Betrachter etwas von dem, was die Schöpferin gedacht, gefühlt oder gesehen haben mag. Entstanden sind dann aus diesen „objets trouvés“ sehr persönliche Aussagen zum Stand der Dinge im allgemeinen und im Leben der Carmen Beldi im besonderen.
 
Es gibt zwei Ängste, die selbst vielen professionellen Kunstschaffenden ordentlich Kopfzerbrechen bereiten: da ist zum einen die Angst vor dem leeren Blatt, zum andern die Angst vor Farben. Es ist nämlich jedes Mal ein Wagnis, ein Bild zu beginnen. Zuerst erfolgt eine Art Defloration des Malgrundes, ein Eindringen in die respekterheischende Leere der Blätter. Diese Hemmung wird auch Sylviane Strasser-Figini empfinden, wenn sie mit der Arbeit beginnt, wenn sich Intellekt und Sinnlichkeit mit „Zuwenig“ und „Zuviel“ noch heftig streiten.
 
Dann aber beginnt die Malerei „aus dem Bauch“. Jetzt erfolgt die weitere Bearbeitung in Stimmungsschüben, mal tastend dann wieder rational, mal zögernd oder spontan, nüchtern, heftig, traurig, keck, unanständig, überschwänglich, überfallmässig, irrational, immer aber stimmungsgeladen „bis zum Dach“.
 
Als ich vor drei Jahrzehnten zum ersten Mal Bilder von Sylviane gesehen habe, fiel mir sofort auf: hier ist eine Malerin am Werk, die ein ungetrübtes Verhältnis zur Farbe haben muss. Dieser Eindruck hat sich in den folgenden Jahren immer wieder bestätigt, mag man jetzt die Werke der „art brut“ oder dem Expressionismus (oder was auch immer) zuordnen.
Bei Arbeiten von Sylviane Strasser-Figini, seien sie nun lustvoll fabuliert oder schmerzlich erlebt, empfinde ich Sinnlichkeit pur! Zuerst aber und immer wieder denke ich: es leben die Farben!
 

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